Lorenzo

Wir sind zur Hundeschule von Michaela Mundt gkommen, weil wir die Leinenagression unseres (heute 3-jährigen) Appenzeller Senenhund Rüden einfach nicht in den Griff bekommen haben.

Dabei waren wir über 2 1/2 Jahre in 7 verschiedenen Hundeschulen, haben diverse Einzelstunden genommen, T-Touch-Seminare besucht, etliche Bücher / Videos verschlungen, Bachblüten gegeben und zudem unzählige Hilfsmittel auf den Spaziergängen mit uns rumgeschleppt (Hundepfeife, Schleppleine, Dummy, Clicker, Notfalldrops, Käsehäppchen, Wurfdisc, Halti etc.).

In dieser Zeit haben wir verschiedene Lehrmethoden kennengelernt und einiges falsch gemacht. So hat man uns z.B. gesagt, dass man einen knurrenden Hund bei Menschenberührung nicht korrigiert, da er sonst irgendwann nciht mehr knurrt, sondern direkt zubeißt. So haben wir ihn immer schön alles entscheiden und machen lassen.

Nichts hat geholfen, minimale Erfolge waren immer nur von kurzer Dauer, bis unser Racker wieder die Oberhand hatte. Die agression war mittlerweile zum Ritual geworden.

Wir sind so ziemlich allen Hundebegegnungen aus dem Weg gegangen, konnten in keinen Biergarten gehen, Urlaub am Hundestrand haben wir nur 1x gemacht und dann nie wieder, in den Hundeschulen standen wir immer abseits in der Ecke weit weg von den anderen Hunden (wenn wir nicht schon vorher wegen der Kläfferei und Aufregung des Platzes verwiesen wurden). Im Freilauf war alles entspannter, aber es konnte passieren, dass Lorenzo einfach wegrannte bzw. sich von den anderen Hunden nicht mehr abrufen ließ. Somit hatte er in dieser Zeit so gut wie gar keine Sozialkontakte bzw. Freilauf mehr (außer in der gewohnten Umgebung mit den bekannten Nachbars-Hunden), was mir immer sehr leid tat. Und unser größter Wunsch, mit Lorenzo eine Ausstellung zu besuchen (wo der nächste Rüde in 50cm Abstand sitzt), war für uns in unerreichbare Ferne gerückt. Dabei ist er eine wirklich stattliche Erscheinung.

Eine Kollegin hat mir dann die hundeschule von Michaela Mundt empfohlen. Einer ihrer ersten Sätze ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „So wie der Hund jetzt tickt, ist er auf einer Alm in der Schweiz gut aufgehoben, aber hier im RHein-Main-Gebiet funktioniert das so nicht.“ Das war mal eine Ansage! Die ersten Einzelstunden waren dann auch sehr anstrengend, aber das Durchhalten hat sich gelohnt. Wir mussten einsehen, dass Lorenzo ein frecher „Rüpel“ ist , der dauerhaft Konsequenz und gutes Management benötigt. Bisher konnten wir ihn nicht beeindrucken, aber nun war Schluss mit lustig. Die ersten Verbesserungen waren bald da: Fuß, Sitz, Platz, Bleib und auch der Rückruf saßen nach ein paar Wochen, und wir durften dann endlich am Gruppenkurs teilnehmen! Die allererste Gruppenstunde ohne 60min Dauerbellen, ohne Dauerschnüffeln am Boden, ohne In-die-Leine Rennen und (fast) ohne Rumpöbeln, obwohl die nächsten Hunde direkt links und rechts neben uns waren – wir konnten es kaum glauben. Lorenzo ist auch heute anfangsimmer noch etwas aufgeregt und überdreht schnell, wenn man nicht aufpasst, aber es wird mit jeder Stunde besser und man erkennt auch seine guten Seiten. Wer den Hund vor einem 1/2 Jahr gesehen hat, fragt sich, ob das wirklich derselbe ist.

Mittlerweile dar er sogar an der Spielrunde am Ende teilnehmen und hat endlich wieder Sozialkontakte und kann sich unter seinesgleichen austoben. Das Schöne ist, dass sich das Training auch dauerhaft auf den Alltag überträgt und nicht nur auf dem Hundeplatz stattfindet. Es hat sich vieles verbessert und wir bekommen viel Lob von Nachbarn und anderen Hundebesitzern: entspannte Autofahrten, kein Aufreiten mehr bei den Nachbars-Hunden, weniger Stress bei läufigen Hündinnen, Fahrrad-Ausflüge ohne Leine, besserer Grund-Gehorsam und kein Weglaufen mehr. Dadurch sind wir alle entspannter geworden, wir und auch der Hund. Wir gehen anderen Hunden nun sogar entgegen und verstecken uns nicht mehr im Seitenweg oder Gebüsch. Es ist noch nicht perfekt, wir müssen immer noch aufpassen, aber was 3 Jahre ritualisiert wurde, braucht eben seine Zeit. Lorenzo erkennt langsam seine Grenzen und kommt damit immer besser zurecht.

Michaela Mundt sagt, er wird natürlich kein „Labrador“ mehr, aber das ist ja auch gut so. Wir haben schließlich einen Appenzeller, der für sein Temperament, seine Selbstständigkeit, Furchtlosigkeit und Bellfreudigkeit bekannt ist. Und so soll er auch ein Stück weit sein und bleiben.

Und was soll ich sagen, wir waren zwischenzeitlich sogar auf einer Ausstellung in der Halle, und Lorenzo wurde Bester in seiner Klasse, Bester Rüde und Bester Appenzeller des Tages. Und Ende März wurde er sogar angekört, sprich, er hat den Wesenstest bestenden und darf sich jetzt offiziell Zuchtrüde nennen.

Das alles wäre vor 6 Monaten noch undekbar gewesen, und wir wünschen uns so manches Mal, dass wir diese Hundeschule schon früher entdeckt hätten. Dann wäre manches einfacher gewesen.

lorenzo