Lotte

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Vor zwei Jahren erfüllte ich mir meinen sehnlichsten Kindheitswunsch: ich schaffte mir meinen ersten eigenen Hund an. Da ich dem Tier mit meinem Alltag in der eigenen Praxis (Osteopathie und Psychologie) gerecht werden wollte, informierte ich mich ausgiebig über sämtliche Hunderassen, Größen und Charaktereigenschaften. Mittelgroß sollte er sein, kein Terrier und kein Jagdhund. Ich blieb bei dem Kromfohrländer hängen: dem idealen Ersthund, leicht zu erziehen, ohne großen Jagdtrieb, der perfekte Familienhund. Und hier war sie, der ersehnte Hund: Lotte – 12 Wochen alt.

Mit 13 Wochen stand Lotte bereits wild bellend im Wald, wenn sie einen anderen Hund aus der Ferne sah, jagte nach Allem, das sich bewegte und interessierte sich grundsätzlich für Alles nur nicht für mich! Ich war regelmäßig der Mittelpunkt sämtlicher Wiesbadener Cafés und Restaurants mit einem Zombie unter dem Tisch jedesmal wenn ein fremder Hund auftauchte. Mein Credo: „Ein Hund hat zu gehorchen in jeder Lebenslage!“ schien plötzlich in unerreichbare Ferne zu rutschen. Diese bösen Überraschungen brachten mich schnell an meine Grenzen, so dass ich mit Lotte in eine Hundeschule ging.

Ich lernte, mich bei Lottes Fehlverhalten seitlich in die Büsche zu schlagen, mich zu verstecken, sie abzulenken, meine aufkommende Wut in einen Sopran-Trällerton umzuwandeln, damit der Hund ein freudiges „Hier“ zu hören bekommt. Ich wurde Profi im Käsewürfel schneiden, hatte permanent matschige Leckerli-Klumpen in irgendwelchen Hosen- und Jackentaschen, machte Schleppleinentraining, clickerte den Blickkontakt zwischen Lotte und mir. Ich glaube, ich habe alle gängigen Hundeerziehungsmethoden ausprobiert, zum einen aus der Not heraus (da bestimmt Probleme konstant als trauriger Begleiter blieben) und zum anderen, weil ich es einfach schaffen wollte. Lotte stellte mit 6 Monaten ihr erstes Reh, das angefahren im Wald stand. Mit 9 Monaten stellte sie ein Pferd auf der Koppel, das ihr einen bösen Schlag mit der Hufe auf den Schädel verpasste. Mit 12 Monaten gab es beinahe Hühnchen zum Abendessen, da sie nur knapp bei einer Alpenwanderung ein Huhn auf einem entfernten Bauernhof verfehlte. Sie stellte seither Heuballen auf dem Feld, Rollkoffer plus ziehende Person in der Stadt, Kleinkinder usw.!

Als mir vorgeschlagen wurde, ich sollte es nun mit einem Halty versuchen, war das Maß meiner Nervenbelastung und Kooperationsbereitschaft voll. Ich hatte keine Lust mehr auf den ganzen Kram (ein Rudelführer clickert schließlich auch nicht den Blickkontakt zu seinem Rudel – Authorität muss doch reichen!). Also entschied ich mich dazu, alle Utensilien (Clicker, Schleppleine, Leckerlies, Pfeife,…) gegen Michaela Mundt einzutauschen!

Eigentlich wollte ich bei Frau Mundt „nur“ Agility machen, da ein ausgelasteter Hund ja ein ruhiger Hund ist. Außerdem sehnte ich mich nach 1½ Jahren Gehorsam üben danach, einfach mal nur Spaß mit Lotte zu haben! Die Begegnung mit Michaela Mundt und die Entscheidung mich mit Lotte in ihre Hände zu begeben, ist für mich bis heute ein Segen (ich glaube für Lotte auch – und für meinen Mann ebenfalls, weil es die erste Erziehungsmethode ist, die er für sinnvoll hält). Endlich sprach mal jemand aus, was mein gefühlter Impuls die ganze Zeit schon war: Lob ja, aber Korrektur eben auch, damit der Hund eine klarere Orientierung hat. Beim Topfschlagen gebe ich ja auch Hilfen in beide Richtungen mit „heiß“ und „kalt“ – so kommt man nunmal schneller und klarer ans Ziel!

Es mag für ein paar wenige Hunde ausreichen, über reines positives Verstärken erzogen zu werden, für den Großteil der Hunde, denen ich im Laufe der Zeit begegnet bin, ist dieses Vorgehen eher verwirrend und zu unklar und führt nicht zum gewünschten Erfolg. Meine Erfahrung ist, dass es dem Hund besser geht, wenn ich als Hundeführer die Entscheidungen treffe und er auf mich reagieren kann und nicht umgekehrt! Dafür muss ich als Hundebesitzer natürlich wissen, was ich von meinem Hund will und das auch durchsetzen – auch wenn es schwer fällt!

Was hat sich seitdem geändert?
Lotte ist immer noch Lotte – und das ist sehr gut so.

Aber sie hat sehr viel gelernt. Sie weiß, dass ein Kommando gilt, egal welche Ablenkung da ist. Sie liegt inzwischen brav unter dem Tisch im Restaurant und Café – auch wenn ein anderer Hund vorbei kommt. Gut – ein kleiner Anflug von Hyperventilieren und kurzes In-ihren-Bart-Geblubber ist noch da, aber Lotte ist eben Lotte! Sie rennt frei bei Fuß am Rad oder beim Joggen, geht sofort ins „Platz“ – egal wie weit sie von mir entfernt ist, ist fast immer abrufbar von anderen Hunden oder wenn sie eine Wildspur in die Nase bekommt, verbellt keine Kinder mehr und bleibt liegen, egal wo ich sie ablege (außer bei Unwichtigkeiten wie einer Prüfung!). Gerade hat sie die Begleithundeprüfung bestanden! Sie hat großen Spaß am Agility (ich auch – es hat unserer Bindung gut getan, da es so stressfrei abläuft – 1000 Dank an Kimberly) und wird inzwischen regelmäßig von meinem Mann, der einen Jagdschein gemacht hat, mit in den Wald und auf den Ansitz genommen.

Auch ich habe viel durch Michaela Mundt gelernt! Ich treffe Entscheidungen inzwischen schneller als Lotte (was unmöglich schien – sehr verwirrend für den armen Hund), ich fühle schneller, was ich von ihr will und nicht will und demonstriere das unmissverständlich (was sie oft genug doof findet, weil es gegen ihren Sturkopf geht) und mir ist egaler, was andere von dem was ich tue, denken (ein wichtiger Punkt bei der Hundeerziehung).
Lotte ist ein toller Hund, wenn auch ein untypischer Kromfohrländer. Ich habe also einen Terrier plus einen Jagdhund (so wie ich es am Anfang genau nicht wollte), dafür habe ich einen intelligenten Hund mit eigenem Kopf, der schnell und gerne Entscheidungen trifft, mit dem ich viel Abwechslung habe und der meinen Mann und mich immer wieder mit neuen Ideen überrascht.

Für mich ist Lotte die absolute Bereicherung seit ich weiß, wie ich mit ihr richtig umzugehen habe. Das verdanke ich ganz klar Michaela Mundt: dafür 1000 Dank!

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