Jacky

Die Hundeschule Mundt kenne ich seit 2004, dort habe ich damals auch mit meinem Rüden die FBH- und BH-Prüfung erfolgreich absolviert. Nach einigen Jahren beschlossen wir, uns einen Zweithund anzuschaffen, jedoch sollte es kein Welpe sein undsich nicht für Bälle interessieren und eigentlich auch kein Weibchen sein (was es dann aber doch wurde). Außerdem sollte der Zweithund sich auf Anhieb mit unserem Rüden verstehen.

Eine Zeit lang gingen wir mit unserem recht gut erzogenen Rüden nicht mehr in die Hundeschule. Eines Tages trafen wir Michaela Mundt bei einer Gassirunde. Sie hatte eine schwarze Labrador-Mix-Hündin dabei. Die Hündin kam auf mich zu, am heißgeliebten Ball unseres Rüden vorbei, und ihn störte das kein bisschen. Ich fragte Michaela, wer die Hündin sei, und sie antwortete scherzhaft „Das sit ein Vermittlungshund, die kannst Du haben!“ Sie erzählte, die Hündin habe bei einer Pflegestelle Enten gejagt und müsse deshalb wohl einen Wesenstest machen. Vorerst würde sie bei Michaela in der Hundeschule betreut und auf diesen vorbereitet.
Wir freundeten uns mit Jacky an und mir war bald klar, dass es so ein hund sein sollte, der als unser Zweithund zu uns kam.
Dann nahmen wir sie probeweise mit nach Hause, auch da gab es keine Probleme (außer, dass wir Essbares verstecken mussten, da sie alles fraß, was ihr in die Quere kam).
Wir nahmen mit der Tierschutzorganisation Kontakt auf und so durften wir Jacky am 19. Dezember 2008, dem Geburtstag meiner Tochter, in unsere Familie aufnehmen.
Es lief gut, auch mit dem Rüden.
Wir gingen nun mit beiden hunden in die hundeschule zur Gruppenstunde, außerdem begann ich mit meinem Rüden einen Agility-Kurs (das machen wir heute noch). Es lief alles prima.
Michaela veranstaltete damals, im September 2009, ihren ersten „Agi-Spaß-Tag“, doch wir wollten gerade an diesem Tag zu meinen Schwiegereltern fahren.
Hätten wir das mal lieber gelassen.

Auf der Fahrt dorhin gab es einen Autounfall. Wir fuhren brav an die Seite, um eine Gasse für die Rettungsfahrzeuge frei zu machen. Die hunde waren im Kofferraum, mein Sohn auf dem Rücksitz. Auf einmal gab es einen fürchterlichen Knall, der Rettungswagen wurde in unser Auto geschoben, der Kofferraum zusammengeschoben. Mitten auf der Autobahn stand unser Rüde verstört bellend, umringt von Autofahrern und Feuerwehrmännern, die ihn festhielten. Ich rief ihn und er kam sofort zu mir und er schien zum Glück nciht verletzt. Aber wo war der schwarze Hund? Den hatte niemand gesehen. Ich brachte den Rüden zum Auto zurück, dann rannte ich in die entgegengesetzte Richtung, als mich ein Feuerwehrmann stoppte. Er hatte den Hund gesehen und er meinte, der sei so schnell gerannt, den würde ich nicht mehr einholen können. Er hatte allerdings einen Kollegen beauftragt, hinterherzufahren.
Ich wurde in die Klinik gefahren, während mein Mann, Sohn und Hund auf den ADAC Abschleppdienst warteten, ich konnte aber auch gleich wieder gehen.
Keine Spur von Jacky.
Wir überlegten, was wir tun konnten. Am nächsten Tag erzählte ich Michaela, was passiert war, sie hatte sofort gute Vorschläge: Handzettel verteilen, Tierheime, Tierärzte und Tierkliniken informieren, TASSO anrufen, die Autobahnmeisterei, Bahn, Polizei und alles, was dort in der Nähe war (zum Beispiel eine Raststätte) kontaktieren.
Ein erster Hinweis ließ nicht lange auf sich warten. Er kam aus Wiesbaden-Nordenstadt, wo sich Kim Smith gut auskennt. Sie und unsere Nachbarn halfen uns, fuhren mit uns dort hin, doch leider hatten wir keinen Erfolg. Immerhin hatten wir schon einige Handzettel vorbereitet und konnten sie aufhängen.
Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass der Rüde eines Bauern in dieser Gegend zu dem Zeitpunkt dort unterwegs war (er wurde ins Tierheim gebracht und abgeholt).
Einige Tage vergingen, an denen wir verschiedenen Hinweisen nachgingen, zahlreiche Zettel verteilten und viele Leute ansprachen.
Nach etwa zwei Woche rief eine junge Schülerin an: sie habe einen Hund gesehen, schwarz und mit blauem Geschirr (Jacky hatte ein blaues Geschirr angehabt beim Unfall), der an der Stelle entlang gelaufen sei. Das war in Wallau. Sofort fuhren wir hin, konnten sie aber leider nicht finden.Dafür trafen wir nette Frauen, die in der Nähe arbeiteten, und sie sagten, sie würden Jacky in ihren Mittagspausen suchen. Wir trafen auch eine Frau mit hund (Annette – den Nachnamen weiß ich leider nicht), die auch nach Jacky suchen wollte.
Wieder kamen Hinweise aus Wallau und schließlich sah ich  Jacky selbst kurz – doch sie lief weg. Ich setzte meinen Rüden auf ihre Spur an, da er bei Michaela früher gelernt hatte, Fährten zu folgen, doch um zu vermeiden, dass sie etwa auf die Autobahn zurücklaufen würde, beließen wir es dabei und verfolgten sie nicht weiter.
Katja, eine Frau vom Tierschutzverein die uns auch bei der Suche half, kannte einen Spurenleser, den sie anrief. Er konnte sogar Jackys vermeintliches Nachtlager zeigen, doch von ihr selbst leider keine Spur.
Michaela beruhigte mich, dass es normal sei, dass sie weggelaufen war, da sie verschreckt sei, außerdem sicherlich Angst und Schmerzen habe. Sie erzählte mir von einem anderen Hund, den sie mit Futter locken mußte, weil er sonst gar nicht gekommen wäre.
Immerhin konnten wir nun ein gewisses Gebiet eingrenzen, in dem sich Jacky vermutlich aufhielt. Wir verteilten dort auch Essen, aus Angst, Jacky könnte verhungern.
Am 18. Tag kam dann ein weiterer Anruf: „Wir haben ihren Hund.“ Ich fragte, wo sie ihn gesehen hätten. „Nein“ antwortete die Frau am Telefon, „ich habe den Hund hier in meinen Armen.“ Und dann sagte sie noch : „Und ich lass sie auch nicht los!“.
Also fuhren wir wieder los.
Schließlich, mit dem Auto über einen holprigen Feldweg einen Hügel hochfahrend, sahen wir Jacky in den Armen der Frau, die angerufen hatte, und Jacky wedelte sogar mit dem Schwanz.
Eine Freundin rief sofort den Tierarzt in Wallau an, und der war unser nächster halt. Wir konnten gleich hinfahren. Jacky wurde gleich untersucht – es sah soweit alles gut aus, bloß die Hüfte war ausgerenkt. Der Tierarzt meinte, das könne man aber ganz gut wieder in den Griff kriegen, sie sollte in einer Klinik vorgestellt werden.
Dort wurde sie einige Tage später operiert. Eine Oberschenkelknochenkopfresektion war notwendig. Danach folgte das volle Programm einer Physiotherapie: Unterwasserlaufband, MAssagen, Muskelaufbau und nur kurze Gassirunden an der Leine.
Und wir begannen mit dem Fährtensuchen (haben wir auch bei Michaela gelernt). Sie wurde in dieser Sportart richtig gut!!!

Nach einem Jahr hatte sie genug Muskeln aufgebaut, dass wir wieder zu Michaela in die hundeschule gehen konnten.
2010 machte Jacky dann die FBH-Prüfung mit der Note „gut“. Eine Woche später machten wir die BH-Prüfung , Note „sehr gut“.
Jacky war schon immer sehr aktiv, nahezu hyperaktiv. Jetzt, wo sie nicht so wild rumrennen konnte, mussten wir andere Wege finden, um sie bewegt und beschäftigt zu halten. Da sie kein Agility machen durfte, kamen wir auf die Idee, mit Jacky die Sporthundeprüfung zu machen. Nicht zu viel springen, ein bisschen rennen, Unterordnung – im November 2011 gelang uns sogar dieser Schritt und wir absolvierten diese Prüfung mit der Traumnote „vorzüglich“.
Im März folgt hoffentlich die Sporthundeprüfung der Stufe 2.

Ein guter Anlass, sich zu bedanken bei allen, die uns die ganze Zeit unterstützt haben, Katja vom Tierschutzverein HundeNothilfe 4 Pfoten e.V., Frau Bender (Physiotherapie für Vierbeiner: www.4-beinerphysio.de), Annette und Söhne, Gina und Karin, Sabine und vor allem Kim und Michaela. Die Hundeschule Michaela Mundt war imemr an unserer Seite und das macht (meiner Meinung nach) eine gute Hundeschule aus. DANKE!!!

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